Vorher/ Nachher: See

Heute gibt es mal ein Bild als Vorher/Nachher-Vergleich, bei dem es weniger um eine klassische Beautyretusche, sondern vielmehr um die Veränderung der Bildwirkung ging.

Andreas hatte mir dieses Bild zur Verfügung gestellt und es gefiel mir sofort, zumal ich auch das Model sehr gerne mag.
Aber hier fehlte noch deutlich der letzte Feinschliff, denn so wirkt das Motiv viel zu wenig spektakulär.

Von der Vorlage ausgehend hätte ich in zwei Richtungen gehen können: ich hätte das Licht deutlich verstärken können, so dass das Bild strahlend geleuchtet hätte. Ein Schönes Model an einem hübschen See bei sommerlichen Sonnenschein.
Das wollte ich aber nicht.
Der leichte Wellengang und die sich andeutenden Wolken am Himmel brachten mich statt dessen auf die Idee, die Mikrokontraste im Bild zu verstärken und die Farbstimmung zu verändern, so dass sich ein eher dramatisches Bild ergab.

Um die Kontraste optimal herauszuarbeiten, habe ich das Bild in vier Regionen unterteilt (Model, Himmel, Wasser, Bäume am Seeufer) und diese jeweils separat bearbeitet. Durch das Aufteilen gewinnt man nämlich einiges an Spielraum, denn alle Manipulationen beziehen sich dann nur auf die jeweilige Region. Man kann dann die Kontraste aufsteilen, muss dabei aber nicht bedenken, dass man in anderen Bildbereichen möglicherweise die Kontraste verwässert. Kann ich nur empfehlen.
In die Tat umgesetzt habe ich diese Kontrastverbesserungen mit einem Schwung Gradationskurven (wie gesagt: jeweils eigene für die einzelnen Regionen) und einigem Dodge+Burn.

Parallel zur Kontrastverstärkung habe ich mich den Farben gewidmet: auch diese wollte ich intensivieren und dem Bild eine dramatische, leicht mystische Wirkung geben. Deshalb die Verschiebung Richtung Cyan und (in einzelnen Gebieten) Grün. Die Haut des Models habe ich von den Farbveränderungen über eine Maskierung ausgenommen, weil Cyan und Grün sind die natürlichen Feinde absehbarer Hauttöne 😀

Noch ein kurzes Wort zu einem Detail, über das ich mir länger Gedanken gemacht habe: die Schuhe.
Man hätte die problemlos Wegstempeln können, hätte vermutlich nur ein paar Minuten (wenn überhaupt) gedauert. Das habe ich nicht gemacht, weil sie mich überhaupt nicht stören. Ganz im Gegenteil. Ich finde es gut, dass dort Schuhe stehen. Denn durch die Schuhe bekommt das Bild auch eine leichte zeitliche Komponente: man sieht im Bild, das *vor* dem Entstehen des Bildes bereits etwas passiert ist. Man sieht nämlich, dass sich das Model offensichtlich die Schuhe ausgezogen hat. Ich möchte jetzt nicht großspurige behaupten, dass das Bild dadurch ‚eine Geschichte erzählt‘ (oder was auch immer gerne in solch einem Zusammenhang geschrieben wird). Aber zumindest ich werde dazu verleitet, mir zu überlegen, was wohl vorher passiert ist. Man könnte natürlich denken: ‚OK, da ist ein Model auf einen Stein geklettert und ein Foto wurde geknipst.‘
Man kann sich aber auch folgendes vorstellen: eine junge Frau kommt an den See, sieht die Wolken, sieht die Wellen, bemerkt den leichten Wind – und um all dies in vollen Zügen geniessen zu können, klettert sie auf einen Stein, stellt sich der Natur entgegen. Und um das alles noch intensiver zu spüren, zieht sie sich die beengenden Schuhe aus. Und darum stehen sie da rum. Das finde ich smart.

Model: Serafina
Foto: MakePictures
Bearbeitung: Ich

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